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Datenschutz in der Therapiepraxis umsetzen: Geräte, Kommunikation und Backups

Geräte verschlüsseln, Papierunterlagen schützen, Kommunikationswege vereinbaren und Sicherungen prüfen. Eine praktische Übersicht für Therapiepraxen in Österreich mit Maßnahmen und Prüfschritten.

Von Christian Glatz · Veröffentlicht: Juli 2026

Schreibtisch mit geschlossenem Laptop und Vorhängeschloss, angeschlossener externer Festplatte und abschließbarer Schublade mit Schlüssel als Symbol für technische und organisatorische Maßnahmen

Dieser Artikel behandelt die Umsetzung des Datenschutzes im Praxisalltag. Der rechtliche Maßstab ist kurz. Art. 32 DSGVO verlangt „geeignete technische und organisatorische Maßnahmen“ im Verhältnis zum Risiko, und bei Gesundheitsdaten ist das Risiko hoch. Was „geeignet“ heißt, steht nicht im Gesetz. Die folgenden Maßnahmen helfen Ihnen, Geräte, Unterlagen und Kommunikationswege in einer Einzelpraxis zu schützen.

Direkt zu einem Abschnitt: Geräte schützen · Raum und Papierablage · Kommunikationswege · Sicherungen · Aufbewahrung · Regelmäßige Kontrolle

Die Maßnahmen nach Wirkung geordnet

Nutzen Sie die Tabelle, um die Maßnahmen Schritt für Schritt umzusetzen. In der rechten Spalte steht, wie Sie ihre Wirksamkeit prüfen können.

MaßnahmeNutzenHäufigkeitSo prüfen Sie es
Festplatte verschlüsseln (FileVault, BitLocker)Verlorenes Gerät bleibt unlesbar. Benachrichtigung der Betroffenen kann nach Art. 34 Abs. 3 entfalleneinmal, dann bei jedem neuen GerätSystemeinstellungen zeigen „FileVault ein“ bzw. „BitLocker aktiviert“. Wiederherstellungsschlüssel liegt ausgedruckt vor
Bildschirmsperre nach kurzer Zeit, Code am HandyEine aktive Bildschirmsperre verhindert den direkten Zugriff auf ein angemeldetes GeräteinmalRechner fünf Minuten nicht verwenden: Der Bildschirm muss sich sperren
Sicherung nach 3-2-1, eine Kopie außer HausRechner und Backup-Platte gehen bei Brand oder Einbruch gemeinsam verlorenBackup laufend, Tausch der Außer-Haus-Kopie monatlichEine Sicherung gilt erst als geprüft, wenn Sie eine Datei daraus wiederhergestellt und geöffnet haben
Kommunikationswege im Erstgespräch festlegenKlient:innen geben sonst den Kanal vor, und man geht aus Höflichkeit mitje Klient:in einmalIn der Akte steht, welcher Kanal vereinbart ist
Papier in abschließbaren Schrank, Aktenvernichter P-4Reinigung, Vermieter:in und Mitnutzer:innen sind keine Hilfspersonen im Sinne der VerschwiegenheittäglichBeim Verlassen des Raums liegt nichts mit Namen offen
Löschroutine für die ZehnjahresfristFrist beginnt mit Behandlungsende, nicht mit ErstellungjährlichListe der abgeschlossenen Behandlungen mit Löschdatum existiert
Backup-Aufbewahrung begrenzen„Unwiederbringlich vernichten“ schließt alte Sicherungen eineinmal einstellenDie älteste vorhandene Sicherung ist nicht älter als vereinbart
Vorsorge für den eigenen AusfallVerschlüsselte Daten sind ohne geregelten Zugang im Ernstfall verlorenjährlich prüfenBenannte Person, Meldung ans Ministerium, Zugangsablage vorhanden

Geräte schützen

Ein Notebook ist schnell weg: aus dem Auto, aus dem Wartebereich, aus dem Zug. Ohne Verschlüsselung genügt es, die Platte auszubauen und an einem anderen Rechner zu lesen. Das Anmeldepasswort schützt davor nicht.

Geht ein Gerät mit Klient:innendaten verloren, ist das eine Datenschutzverletzung, die nach Art. 33 DSGVO binnen 72 Stunden der Datenschutzbehörde zu melden ist. Je nach Risiko sind auch die Betroffenen zu informieren. War die Platte verschlüsselt, kommt niemand an die Daten, und Art. 34 Abs. 3 DSGVO nennt Verschlüsselung ausdrücklich als Grund, warum die Benachrichtigung der Betroffenen entfallen kann.

  • macOS: FileVault einschalten unter Systemeinstellungen, Datenschutz und Sicherheit. Den Wiederherstellungsschlüssel ausdrucken und außerhalb der Praxis verwahren.
  • Windows: BitLocker (Pro) oder Geräteverschlüsselung (Home) aktivieren, Wiederherstellungsschlüssel ebenfalls offline sichern.
  • Externe Platten und USB-Sticks: genauso verschlüsseln. Auch Sicherungskopien müssen vor unbefugtem Zugriff geschützt sein.
  • Smartphone: aktuelle iPhones und Android-Geräte verschlüsseln bei gesetztem Code automatisch. Also Code setzen, sechsstellig oder länger, automatische Sperre nach kurzer Zeit.

Verschlüsselung wirkt nur im ausgeschalteten oder gesperrten Zustand. Sobald Sie angemeldet sind, liegen die Daten entschlüsselt vor. Sperren Sie den Bildschirm, wenn Sie den Raum verlassen.

Raum und Papierablage

Datenschutz wird als IT-Thema diskutiert, ist im Praxisalltag aber oft physisch:

  • Papierunterlagen in einen abschließbaren Schrank oder eine abschließbare Schublade. Ein Tresor ist nicht verlangt, die DSGVO schreibt keine Ausführung vor, sondern Maßnahmen, die zum Risiko passen. Bewahren Sie auch Notizzettel aus der Sitzung, Überweisungen und Honorarnoten geschützt auf.
  • Praxistür abschließen, wenn Sie den Raum verlassen, besonders in Wohnhäusern und bei gemeinsamer Nutzung.
  • Bildschirm so ausrichten, dass er von der Tür und vom Wartebereich aus nicht einsehbar ist. Wer hereinkommt, soll keine Namen lesen können.
  • Telefonate nicht führen, während jemand im Wartebereich sitzt.
  • Reinigungskräfte, Vermieter:in, Mitnutzer:innen haben Zugang zum Raum, sind aber keine Hilfspersonen im Sinne der Verschwiegenheitspflicht.
  • Alte Unterlagen schreddern, nicht in den Papierkorb. Ein Aktenvernichter mit Sicherheitsstufe P-4 oder höher genügt.

In einer Praxisgemeinschaft kommt dazu, dass jede Person nur ihre eigenen Klient:innen sehen darf. Gemeinsame Ablagen und geteilte Rechnerzugänge sind dort das häufigste Problem.

Kommunikationswege

Vereinbaren Sie geeignete Kommunikationswege frühzeitig, damit sensible Angaben nicht über ungeeignete Kanäle bei Ihnen ankommen.

Unverschlüsselte E-Mail ist technisch eine Postkarte. Für die Terminorganisation ist sie akzeptiert, für Inhalte aus der Therapie, Diagnosen oder Befunde nicht. Dokumente per Mail nur als passwortgeschütztes PDF, das Passwort über einen anderen Kanal.

WhatsApp ist zwar Ende-zu-Ende verschlüsselt, gehört aber Meta, und die Metadaten (wer schreibt wann mit wem) liegen dort. Dazu gleicht die App Ihr Adressbuch ab, und Ihre Kontakte sind Klient:innen. Wer einen Messenger braucht, ist mit Signal oder Threema besser aufgestellt.

SMS ist unverschlüsselt, für eine reine Terminerinnerung ohne Kontext aber praktikabel.

Anrufbeantworter: Ansage neutral halten, wenn die Nummer auch privat genutzt wird. Keine Rückrufe auf Nummern, bei denen Dritte mithören könnten, ohne das vorher zu klären.

Post an die Wohnadresse: kurz nachfragen. Nicht alle wollen Briefe einer Praxis im gemeinsamen Haushalt.

Videositzungen brauchen eine verschlüsselte Übertragung und einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter, und die Notwendigkeit ist nach § 39 PThG 2024 je Fall zu dokumentieren. Welche Unterlagen dafür nötig sind, steht im Artikel Videotherapie vorbereiten, die Anbieterwahl im Vergleich der Videoplattformen.

Fremdes WLAN: In einem Hotel- oder Café-Netz sieht der Betreiber, mit welchen Diensten Sie sprechen, auch wenn die Inhalte über TLS geschützt sind. Der einfachste Ausweg ist der eigene Handy-Hotspot. Ein VPN verlagert das Vertrauen nur zum VPN-Anbieter. Kostenlose Dienste finanzieren sich oft genau darüber. Das Praxis-WLAN bekommt ein eigenes starkes Passwort und ein getrenntes Gäste-Netz.

Der praktische Weg: Im Erstgespräch festlegen, über welchen Kanal Sie erreichbar sind und was darüber besprochen werden kann. Dann ist es dokumentiert, und Sie müssen nicht in jeder Situation neu entscheiden.

Sicherungen

Ein bestimmtes Verfahren ist nicht vorgeschrieben. Art. 32 DSGVO verlangt, dass Sie die Verfügbarkeit der Daten nach einem Zwischenfall rasch wiederherstellen können. Bewährt hat sich 3-2-1: drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medien, davon eine an einem anderen Ort.

  1. Die Arbeitskopie auf dem Rechner.
  2. Eine verschlüsselte externe Platte, regelmäßig angesteckt (Time Machine oder Dateiversionsverlauf). Nicht dauerhaft verbunden lassen, sonst verschlüsselt ein Erpressungstrojaner das Backup mit.
  3. Eine Kopie außer Haus: Bankschließfach, zweiter Standort oder eine verschlüsselte Platte bei einer Vertrauensperson, die Sie monatlich gegen die Platte zu Hause tauschen. Weil die Platte verschlüsselt ist, kann diese Person die Daten nicht lesen. Alternativ ein Cloud-Backup mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei einem EU-Anbieter, mit Auftragsverarbeitungsvertrag.

Was dabei schiefgeht:

  • Die Wiederherstellung wird nicht getestet. Prüfen Sie, ob sich eine gesicherte Datei tatsächlich wiederherstellen und öffnen lässt. Erst dann gilt die Sicherung als geprüft.
  • Klient:innendaten landen im privaten Cloud-Ordner, der mit dem Familienspeicher synchronisiert wird.
  • Es gibt keine Sicherung der Zugangsdaten. Ein Backup, das nur Sie entschlüsseln können, hilft niemandem, wenn Sie ausfallen. Wiederherstellungsschlüssel und Passwörter gehören getrennt gesichert. Eine Anleitung finden Sie im Artikel zur Praxisaufgabe und zum unerwarteten Ausfall.

Aufbewahrung

§ 44 PThG 2024 verlangt die Dokumentation jeder psychotherapeutischen Maßnahme und eine Aufbewahrung von zehn Jahren ab Beendigung der psychotherapeutischen Leistungen. Die Führung in automationsunterstützter Form ist ausdrücklich zulässig. Danach ist die Dokumentation zu vernichten.

Drei Klarstellungen:

Lesbarkeit über zehn Jahre. Ein Format, das Sie auch nach einem Softwarewechsel noch öffnen können. Exportieren Sie regelmäßig in offene Formate (PDF, HTML, CSV) statt sich auf ein Anbieterformat zu verlassen.

Vernichten schließt Backups ein. Wenn Sie nach zehn Jahren die Live-Daten löschen, die Daten aber in einer fünf Jahre alten Sicherung erhalten bleiben, ist die Pflicht nicht erfüllt. Deshalb Sicherungen mit begrenzter Aufbewahrung statt eines endlos wachsenden Archivs.

Steuerliche Fristen laufen parallel. Buchhaltungsunterlagen sind nach § 132 BAO sieben Jahre aufzubewahren. Honorarnoten unterliegen also einer anderen Frist als die Behandlungsdokumentation. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel zur Buchhaltung für Psychotherapeut:innen.

Regelmäßige Kontrolle

Einmal im Jahr, mit festem Kalendereintrag, die Tabelle oben durchgehen und jede Maßnahme so prüfen, wie es in der rechten Spalte steht. Das dauert eine Stunde. Erfahrungsgemäß fällt dabei jedes Jahr ein Punkt auf: die Sicherung, die seit Monaten nicht gelaufen ist, das neue Handy ohne Code, die Kolleg:in für den Ausfall, die inzwischen in Pension ist.

Quellen

  • Psychotherapiegesetz 2024 (PThG 2024, BGBl. I Nr. 49/2024), §§ 39, 44, 45: RIS
  • Art. 32 (Sicherheit der Verarbeitung), Art. 33 (Meldung) und Art. 34 Abs. 3 (Verschlüsselung) DSGVO: eur-lex.europa.eu
  • Bundesabgabenordnung § 132: RIS
  • Meldung der Dokumentationsaufbewahrung, Gesundheitsministerium: sozialministerium.gv.at (Word-Datei)

Stand: 10. September 2026. Dieser Artikel ist eine fachliche Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

Was davon in CuraDesk eingebaut ist

CuraDesk unterstützt Sie bei drei Punkten der Tabelle: Der Wiederherstellungscode wird direkt nach der Registrierung eingerichtet und ersetzt das vergessene Passwort, das Zugriffs- und Exportprotokoll zeigt, wer wann welche Akte geöffnet oder Daten exportiert hat, und die Vollsicherung exportiert Akten, Honorarnoten und Buchhaltung in offene Formate, damit Sie eine Kopie außerhalb des Systems halten können. Die Sicherung dieser Kopie, die Löschfristen und die Vorsorge für Ihren Ausfall bleiben Ihre Aufgabe. Die Details stehen unter Sicherheit und Datenkontrolle.

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