Kostenzuschuss für Psychotherapie 2026: Beträge, Voraussetzungen und Antrag
Kostenzuschüsse von ÖGK, SVS und BVAEB 2026 mit amtlichen Quellen, Zeitgrenzen und SVS-Kostenobergrenze. Ärztlicher Nachweis, Honorarnote und Bewilligungsantrag Schritt für Schritt erklärt.
Von Christian Glatz · Veröffentlicht: Juli 2026 · Aktualisiert: Oktober 2026

Bei privat bezahlter Psychotherapie kann die Krankenversicherung einen Teil des Honorars übernehmen. Für die Praxis sind dabei vier Fragen zu klären: Ist die Behandlung zuschussfähig, welche Dauer wird abgerechnet, liegen die nötigen Nachweise vor und ist eine Bewilligung erforderlich? Dieser Beitrag führt durch den Ablauf vom Erstgespräch bis zur Einreichung.
Kassenplatz und Kostenzuschuss unterscheiden
Bei einem Kassenplatz wird die Behandlung über Vertragspartner oder Vertragsvereine abgerechnet. Bei einem Kostenzuschuss bezahlt die Klient:in zunächst Ihre Honorarnote und reicht sie bei der Versicherung ein. Der Zuschuss ist ein festgelegter Tarif und kein allgemeiner Prozentsatz Ihres Honorars.
Eine vollständige Kostenübernahme bei Vertragspartnern ist nicht für alle Versicherungen gleich geregelt. Die ÖGK beschreibt ihr Vertragsangebot als kostenfrei. Die BVAEB nennt bei Vertragspartnern dagegen einen Behandlungsbeitrag von 20 Prozent. Klären Sie den konkreten Anspruch deshalb beim jeweiligen Träger. Quellen: ÖGK zur Psychotherapie, BVAEB zu Leistungen und Behandlungsbeitrag.
Welche Zuschüsse 2026 ausgewiesen sind
Die Tabelle zeigt ausgewählte Tarife für Einzelsitzungen. Die angegebenen Zeitgrenzen gehören zum jeweiligen Tarif. Sie dürfen nicht stillschweigend auf eine andere Sitzungsdauer übertragen werden.
| Versicherung | Einzelsitzung | Ausgewiesener Zuschuss | Nachweis |
|---|---|---|---|
| ÖGK | 60 Minuten | 33,70 € | Satzung 2025, Anhang 7 |
| SVS | ab 50 Minuten | 50,00 € | SVS-Satzung, Anlage 2, Fassung ab April 2026 |
| BVAEB | ab 50 Minuten | 50,20 € | Leistungsinformation und Satzung 2026 |
| BVAEB | 25 bis unter 50 Minuten | 29,20 € | Leistungsinformation und Satzung 2026 |
Die Beträge stehen in den amtlichen Unterlagen: ÖGK-Satzung, Anhang 7, SVS-Satzung, Anlage 2 in der Fassung der fünften Änderung und BVAEB-Leistungsinformation.
Bei der SVS gilt zusätzlich eine Kostenobergrenze: Der Zuschuss beträgt höchstens 80 Prozent der tatsächlich entstandenen Kosten. Bei einem vereinbarten Honorar von 40 Euro wären das maximal 32 Euro, auch wenn der Tarif für die passende Dauer 50 Euro vorsieht. Die 50 Euro werden daher nicht unabhängig vom verrechneten Honorar ausbezahlt.
Bei 50-Minuten-Sitzungen die ÖGK-Einordnung vorab klären. In der Honorarnote steht immer die tatsächlich erbrachte Dauer. Aus der Tarifangabe „60 Minuten“ lässt sich ohne weitere Auskunft keine Zusage für eine kürzere Sitzung ableiten.
Für Gruppen, Familien und Krankenfürsorgeanstalten gelten eigene Tarife. Prüfen Sie Dauer, Gruppengröße und Anspruch gesondert, statt den Einzeltarif zu übernehmen.
Ein Rechenbeispiel mit klaren Annahmen
Die Praxis verrechnet für eine Einzelsitzung 110 Euro. Das ist ein frei gewähltes Beispielhonorar. Angenommen, die Versicherung bestätigt einen Zuschuss von 50 Euro je Sitzung, und alle Voraussetzungen sind erfüllt:
| Für zehn Sitzungen | Betrag |
|---|---|
| Von der Klient:in zunächst zu bezahlen | 1.100 € |
| Zuschuss nach Einreichung | 500 € |
| Verbleibender eigener Kostenanteil | 600 € |
Das Beispiel zeigt auch den zeitlichen Unterschied: Zunächst muss das gesamte Honorar bezahlt werden. Der Zuschuss folgt erst nach der Einreichung und Prüfung. Informieren Sie darüber im Erstgespräch und nennen Sie einen Betrag erst dann als gesichert, wenn Tarif und Voraussetzungen geklärt sind.
Was vor der zweiten Sitzung zu erledigen ist
Für einen Zuschuss muss eine behandlungsbedürftige psychische Störung vorliegen. Reine Beratung, Coaching oder Supervision werden dadurch nicht zur Kassenleistung. Außerdem muss die behandelnde Person die für den Zuschuss erforderliche Berufsberechtigung besitzen. Ein Eintrag in einer Ausbildungskategorie allein belegt diesen Anspruch nicht.
Die ÖGK und die BVAEB verlangen eine ärztliche Untersuchung vor der zweiten psychotherapeutischen Sitzung. Organisieren Sie die Bestätigung rechtzeitig und vermerken Sie in der Akte, wann sie vorgelegt wurde. Die Untersuchung dient der medizinischen Abklärung. Sie garantiert nicht, dass körperliche Ursachen vollständig ausgeschlossen sind. Die SVS beschreibt ebenfalls die ärztliche Voraussetzung vor der zweiten Behandlung.
Fehlt ein Nachweis oder wurde die Untersuchung zu spät durchgeführt, klären Sie die Folgen unmittelbar mit der Versicherung. Eine spätere Bestätigung heilt das Problem nicht automatisch. Eine pauschale Aussage darüber, welche vergangenen Sitzungen noch vergütet werden, wäre ohne Prüfung des Falls unzuverlässig.
Honorarnote einreichen und Behandlung bewilligen lassen
Diese beiden Vorgänge haben unterschiedliche Zwecke:
| Vorgang | Worum es geht | Was die Praxis vorbereitet |
|---|---|---|
| Einreichung einer bezahlten Honorarnote | Auszahlung des Zuschusses für erbrachte Sitzungen | vollständige Honorarnote und nachvollziehbarer Zahlungsnachweis |
| Bewilligungsantrag | Prüfung der beantragten weiteren Behandlung | aktuelles Formular mit den erforderlichen fachlichen Angaben |
Bei ÖGK, SVS und BVAEB ist die Behandlung ab der elften Sitzung bewilligungspflichtig. Die SVS nennt das in der Anlage ihrer Krankenordnung. Beginnen Sie die Vorbereitung rechtzeitig vor diesem Termin. Prüfen Sie bei allen Trägern den aktuellen Einreichungsweg und die geltende Frist. Eine einheitliche Regel „immer zehn Tage vorher“ lässt sich aus den hier verlinkten aktuellen Informationen nicht ableiten.
Der derzeit über die SVS abrufbare gemeinsame Antrag fragt unter anderem nach Diagnose, GAF-Wert, Medikation, Verlauf, aktuellem Zustandsbild, Zielen, bisherigen und beantragten Einheiten sowie Setting und Frequenz. Er enthält auch Angaben zu einem Wechsel der behandelnden Person. Die Zahl der bewilligten Einheiten ergibt sich aus der Entscheidung der Versicherung. Eine feste Zusage von 50 weiteren Sitzungen ist daraus nicht abzuleiten.
Für einen Folgeantrag behalten Sie die bewilligten und bereits verbrauchten Einheiten im Blick. Die Einreichung einer Rechnung ersetzt eine erforderliche Bewilligung nicht.
Welche Unterlagen für die Auszahlung nötig sind
Die ÖGK nennt insbesondere eine bezahlte Honorarnote mit Behandlungsdaten, Dauer und Diagnose, den persönlichen Versicherungsdaten und den Angaben der leistungserbringenden Person sowie einen Zahlungsnachweis. Bei Überweisung ist das beispielsweise der entsprechende Bankbeleg, bei Barzahlung ein Zahlungsvermerk. Nutzen Sie die aktuelle ÖGK-Leistungsinformation als Prüfliste.
Besprechen Sie mit der Klient:in, welche Gesundheitsdaten für den gewünschten Zuschuss weitergegeben werden. Dokumentieren Sie die Aufklärung und die für die Übermittlung erforderliche rechtliche Grundlage beziehungsweise Entbindung von der Verschwiegenheitspflicht. Die Diagnose gehört nicht allein deshalb auf jede Honorarnote, weil sie in der Akte vorhanden ist. Einzelheiten zu den Rechnungsangaben stehen im Honorarnoten-Beitrag.
Klinisch-psychologische Behandlung ist ein eigener Leistungsweg
Für klinisch-psychologische Behandlung gibt es eigene Berufsberechtigungen, Anträge und Vertragsangebote. Die BÖP-Information behandelt diesen Leistungsweg. Gleiche Tarifbeträge bedeuten nicht, dass alle Regeln unverändert auf Psychotherapie übertragbar sind. Prüfen Sie daher zuerst, welche Leistung tatsächlich erbracht wird, und verwenden Sie das dazugehörige Formular.
Was Sie im Erstgespräch klären sollten
Halten Sie das vereinbarte Honorar, die tatsächliche Sitzungsdauer, den zuständigen Träger und den Stand der ärztlichen Bestätigung fest. Besprechen Sie außerdem, wer die Rechnung einreicht, wer den Bewilligungsantrag vorbereitet und wann die bewilligten Einheiten aufgebraucht sind. So wird aus einer allgemeinen Auskunft ein nachvollziehbarer Ablauf für die konkrete Behandlung.
In CuraDesk können Sie Honorarnoten aus den Terminen erstellen und Angaben aus der Akte für Kassenanträge übernehmen. Prüfen Sie vor dem Versand, ob das angebotene Formular noch der aktuellen Fassung des Trägers entspricht. In der Live-Demo sehen Sie den Ablauf mit Beispieldaten.
Fachlich überarbeitet am 18. Oktober 2026. Tarife und Verfahren können sich ändern. Maßgeblich sind die aktuellen Unterlagen und die Entscheidung des zuständigen Versicherungsträgers.

