Andrang auf den neuen Psychotherapie-Master: 1.300 Bewerbungen für 500 Plätze
Am 6. Juli 2026 fand der erste österreichweite Aufnahmetest für das neue Masterstudium Psychotherapie statt. Rund 1.300 Bewerbungen auf 500 Plätze, sieben Standorte — die Zahlen, der Testaufbau und was die Akademisierung für den Beruf bedeutet.
Von Christian Glatz · Zuletzt aktualisiert: Juli 2026

Was am 6. Juli 2026 passiert ist
Zum ersten Mal gab es in Österreich einen einheitlichen, österreichweiten Aufnahmetest für das neue Masterstudium Psychotherapie. Er ist der bislang sichtbarste Schritt der Akademisierung, die das Psychotherapiegesetz 2024 (PThG 2024) auf den Weg gebracht hat: Ab dem Wintersemester 2026/27 wird die Ausbildung erstmals als reguläres Universitätsstudium angeboten — parallel zum bisherigen Weg über die anerkannten Ausbildungseinrichtungen.
Die Zahlen: großer Andrang, wenige Plätze
Österreichweit stehen pro Jahr 500 öffentlich finanzierte Studienplätze an sieben Standorten zur Verfügung: Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt und Krems. Die Nachfrage übertraf das Angebot deutlich — rund 1.300 Personen meldeten sich allein zum ersten Testtag an.
Die Plätze verteilen sich auf Standort-Verbünde:
- West-Mitte (Salzburg, Linz, Innsbruck, Medizinische Universität Innsbruck): 200 Plätze
- Graz (Universität und Medizinische Universität Graz): 140 Plätze
- Krems (Universität für Weiterbildung): 80 Plätze
- Wien (Universität und Medizinische Universität Wien): 40 Plätze
- Klagenfurt: 40 Plätze
Wie groß der Andrang ist, zeigt der Blick auf einzelne Standorte: In Wien kamen auf 40 Plätze mehr als zehnmal so viele Bewerbungen. In Graz registrierten sich 215 Personen für 140 Plätze, in Innsbruck 239 für 100. An jedem Standort gab es mehr Interessierte als Plätze.
Wie der Aufnahmetest aufgebaut ist
Der Test besteht aus vier Teilen:
- Grundlagenwissen Psychotherapie
- Verbal-analytisches Verständnis
- Sozial-emotionale Kompetenzen
- Verständnis englischsprachiger Fachtexte
Die Anmeldung lief von 2. März bis 7. April 2026, der Kostenbeitrag für die Teilnahme betrug 80 Euro. Geprüft werden also nicht nur Fachwissen, sondern ausdrücklich auch analytische und sozial-emotionale Fähigkeiten — ein Zuschnitt, der zum Berufsbild passt.
Der größere Kontext: die Akademisierung nach dem PThG 2024
Das Aufnahmeverfahren ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil der größten Reform der Psychotherapieausbildung seit Jahrzehnten. Mit dem PThG 2024, das mit 1. Jänner 2025 in Kraft getreten ist, wandert die Ausbildung schrittweise an die Universitäten. Der neue Weg ist ein Masterstudium Psychotherapie an öffentlichen Universitäten, das im Wintersemester 2026/27 erstmals startet.
Ein weiterer wichtiger Stichtag ist der 1. Oktober 2026: Ab dann dürfen nur noch Personen mit Patient:innen arbeiten, die in der entsprechenden Liste des Gesundheitsministeriums eingetragen sind — als Psychotherapeut:in oder als „Psychotherapeut:in in Ausbildung unter Lehrsupervision".
Was mit der bisherigen Ausbildung passiert
Der bisherige Ausbildungsweg über Propädeutikum und Fachspezifikum verschwindet nicht über Nacht. Es gelten großzügige Übergangsfristen: Das Propädeutikum kann noch bis Ende September 2030 abgeschlossen werden, das Fachspezifikum längstens bis 2038. Wer bereits in Ausbildung ist, kann seinen Weg also zu Ende gehen.
Was die Reform konkret für die Ausbildung bedeutet, haben wir im Beitrag Das Fachspezifikum nach dem PThG 2024 aufgeschlüsselt.
Was das für Praxen und angehende Therapeut:innen bedeutet
Für bestehende Praxen ändert sich vorerst nichts am Alltag — Eintragung und Berufsberechtigung bleiben bestehen. Mittelfristig zeichnet sich aber ab, dass ein akademisch ausgebildeter, tendenziell jüngerer Nachwuchs in den Beruf kommt, der von Beginn an mit digitalen Werkzeugen vertraut ist.
Für angehende Therapeut:innen heißt das: Während der Übergangszeit bestehen zwei Wege nebeneinander — der neue universitäre und der bisherige über die Ausbildungseinrichtungen. Der große Andrang auf die ersten 500 Plätze zeigt, wie attraktiv der akademische Weg wahrgenommen wird — aber auch, dass die Plätze knapp sind. Wer den Einstieg plant, sollte Anmeldefenster und Standort-Kapazitäten früh im Blick haben.
Ausblick
Der erste Aufnahmetest ist ein Meilenstein: Die Psychotherapie in Österreich wird akademischer, sichtbarer und — gemessen an den Bewerbungszahlen — als Beruf offenbar begehrter denn je. Für die Praxen von morgen bedeutet das gut ausgebildeten Nachwuchs, für den Berufsstand ein Stück Anerkennung.