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Psychotherapie-Ausbildung im Übergang: Welcher Ausbildungsweg gilt für Sie?

Orientierung nach Ausgangssituation: im Fachspezifikum, im Propädeutikum oder vor dem Start. Alter und neuer Weg mit belegten Stunden, Übergangsfristen bis 2030 und 2038, Eintragung als Fachausbildung unter Lehrsupervision und gesicherte Kosteninformationen.

Von Christian Glatz · Veröffentlicht: Juni 2026

Aufgeschlagenes Buch und Stapel akademischer Bände auf einem Holztisch in einer Bibliothek als Symbol für Ausbildung und Gesetzgebung

Das Psychotherapiegesetz 2024 (PThG 2024, BGBl. I Nr. 49/2024) ersetzt die zweistufige Ausbildung aus Propädeutikum und Fachspezifikum durch einen akademischen Weg mit Bachelor, Master und postgradualer Fachausbildung. Es trat am 1. Jänner 2025 in Kraft, die Bestimmungen zur Akademisierung am 1. Oktober 2026. Beide Wege laufen jahrelang nebeneinander. Die Frage, die dieser Artikel beantwortet: Welcher gilt für Sie, und was sind die nächsten Schritte?

Wo stehen Sie?

AusgangssituationWas für Sie giltNächste SchritteZuständige Stelle
Sie sind im FachspezifikumSie schließen nach altem Recht ab, bis längstens 30. September 2038 (§ 60 Abs. 4). Ab 1. Oktober 2026 heißt der Ausbildungsstatus „in Fachausbildung unter Lehrsupervision" und steht in der BerufslisteKlären, ob Sie zum 1. Oktober 2026 den Status haben (dann meldet Sie Ihre Einrichtung) oder ihn später erreichen (dann Antrag); Umstellung der Bezeichnung nach der ChecklisteIhre Ausbildungseinrichtung, seit 2025 „Fachgesellschaft"
Sie sind im PropädeutikumAbschluss nach altem Recht bis längstens 30. September 2030 (§ 60 Abs. 1). Danach Zugang zum Fachspezifikum nur mit abgeschlossenem Propädeutikum, ohne Quellberuf und ohne Eignungsansuchen (§ 60 Abs. 5)Propädeutikum rechtzeitig abschließen, Fachspezifikum wählen und beginnen; alternativ mit einem facheinschlägigen Bachelor in den neuen Weg wechselnPropädeutikums-Anbieter, Fachgesellschaften
Sie haben noch nicht begonnenDer neue Weg: Bachelor, Master, Fachausbildung. Das Propädeutikum kann bis 2030 noch begonnen werden, dafür braucht es die Voraussetzungen für ein BachelorstudiumFacheinschlägigen Bachelor prüfen oder nachholen, Registrierung für den Master im Frühjahr (siehe Aufnahmeverfahren 2026)psychotherapiestudieren.at, Hochschulen
Sie sind bereits eingetragenNichts ändert sich an Ihrer Berechtigung. Fortbildungspflicht bleibt. Eine zweite Methode oder ein zweiter Cluster läuft über die Fachausbildung bei einer FachgesellschaftKeineBerufsliste, Fachgesellschaften
Sie haben einen Quellberuf nach § 10 Abs. 2 (etwa Klinische Psychologie, Facharzt Psychiatrie, PSY-III-Diplom)Direkter Einstieg in den dritten Abschnitt möglich, mit Anrechnung bereits absolvierter Inhalte (§ 16)Anrechnung bei der Fachgesellschaft klärenFachgesellschaften, Psychotherapiebeirat

Der bisherige Weg

Seit dem Psychotherapiegesetz 1990 war die Ausbildung zweistufig, privat organisiert und privat finanziert.

AbschnittMindestumfang nach PThG 1990
Propädeutikum, Theorie (§ 3)765 Stunden
Propädeutikum, Praxis (§ 3)550 Stunden: 50 Selbsterfahrung, 480 Praktikum, 20 Praktikumssupervision
Fachspezifikum, Theorie (§ 6)300 Stunden
Fachspezifikum, Praxis (§ 6)1.600 Stunden, darunter 200 Selbsterfahrung, 550 Praktikum (davon 150 im Gesundheitswesen), 30 Praktikumssupervision, 600 eigenständige psychotherapeutische Tätigkeit mit 120 Stunden begleitender Supervision

Die Kosten legten die Ausbildungseinrichtungen fest; sie unterschieden sich nach Methode und Einrichtung erheblich und wurden von den Kandidat:innen getragen. Wer heute im alten Weg ist, findet die für sich geltenden Kosten im Vertrag mit der eigenen Einrichtung, nicht in Pauschalangaben.

Der neue Weg

Erster Abschnitt: ein facheinschlägiges Bachelorstudium mit mindestens 180 ECTS an einer anerkannten postsekundären Bildungseinrichtung (§ 11), etwa Psychologie, Humanmedizin oder Soziale Arbeit. Fehlende Inhalte lassen sich nachholen; welche Bachelorstudien in Frage kommen, entscheiden die Hochschulen.

Zweiter Abschnitt: das Masterstudium Psychotherapie (§ 12) an öffentlichen Universitäten, mit jährlich 500 Studienplätzen an sieben Standorten und einem gemeinsamen Aufnahmeverfahren. Es enthält bereits Selbsterfahrung, Praktikum und Supervision im Umfang von 20 bis 40 ECTS. Zahlen, Fristen und Standorte stehen im Artikel zum Aufnahmeverfahren.

Dritter Abschnitt: die postgraduale Fachausbildung bei einer Fachgesellschaft (§ 13). Die Mindestinhalte legt § 5 PTh-AAQV 2024 fest:

BestandteilMindestumfang
Theoretische Ausbildung, clusterspezifisch mit Methodenschwerpunkt400 Stunden
Psychotherapeutische Tätigkeit unter Lehrsupervision nach Eintragung in die Berufsliste1.000 Stunden, davon mindestens 500 Stunden Krankenbehandlung von Patient:innen mit mittel- bis schwergradigen Erkrankungen in Versorgungseinrichtungen
Begleitende Lehrsupervision200 Stunden, Verhältnis 1:5; im niedergelassenen Bereich (auch Lehrpraxen) engmaschiger im Verhältnis 1:4
Selbsterfahrung200 Stunden
Individuelle Schwerpunktsetzung100 Stunden
Vorbereitung und Ablegung der Approbationsprüfung150 Stunden
Dritter Abschnitt gesamt2.050 Stunden

Die 1.000 Stunden sind laut Ministerium als Patient:innenkontakte samt Vor- und Nachbereitung zu verstehen, also 1.000 Einheiten zu 45 Minuten, auf volle Stunden aufgerundet. Sie können parallel in Versorgungseinrichtungen und im niedergelassenen Bereich erbracht werden. Ab Oktober 2028 soll ein Teil davon in Beschäftigungsverhältnissen stattfinden (300 Stunden, ab 2030 400, ab 2032 500), sofern das Ministerium die Voraussetzungen als gegeben ansieht.

Den Abschluss bildet die Psychotherapeutische Approbationsprüfung: eine schriftliche Abschlussarbeit und eine mündliche kommissionelle Prüfung (§ 18). Die ersten Termine hat das Ministerium veröffentlicht: 13. und 14. Jänner 2027, 2. und 3. Juni 2027, 20. und 21. Oktober 2027, sowie sechs Termine 2028. Nach bestandener Prüfung erfolgt die Eintragung als Psychotherapeut:in auf Antrag.

Die Übergangsfristen

WasFristGrundlage
Propädeutikum nach altem Recht abschließenbis 30. September 2030§ 60 Abs. 1 PThG 2024
Fachspezifikum nach altem Recht abschließenbis 30. September 2038§ 60 Abs. 4 PThG 2024
Zugang zum Fachspezifikumnur mit abgeschlossenem Propädeutikum; Quellberuf und Eignungsansuchen entfallen, ebenso die frühere Sondergenehmigung§ 60 Abs. 5 PThG 2024
Zugang zum PropädeutikumVoraussetzungen für ein Bachelorstudium; Übergangspersonen ausgenommen§ 60 Abs. 2 und 3 PThG 2024

Wer die Frist 2038 nicht halten kann, hat keinen Anspruch auf Abschluss nach altem Recht. Bei einem Wechsel in den neuen Weg entscheiden die Fachgesellschaften über die Anrechnung bereits absolvierter Inhalte (§ 16), wenn keine wesentlichen Unterschiede in den Kompetenzen bestehen.

Bezeichnung und Eintragung

Ab 1. Oktober 2026 heißt der Ausbildungsstatus einheitlich „Psychotherapeut:in in Fachausbildung unter Lehrsupervision", für beide Wege, und diese Personen stehen in der öffentlichen Berufsliste. Die Berufspflichten gelten für sie ausdrücklich (§ 17 Abs. 3).

Zwei Wege in die Liste:

  • Übergeleitet werden alle, die zum 1. Oktober 2026 im Fachspezifikum mindestens zwei Drittel des Praktikums sowie jeweils die Hälfte von Selbsterfahrung und Theorie absolviert haben. Sie melden die Ausbildungseinrichtungen an das Ministerium (§ 60 Abs. 7); ein eigener Antrag ist nicht nötig.
  • Auf Antrag eingetragen werden alle, die den Status ab 1. Oktober 2026 erreichen, im neuen dritten Abschnitt ebenso wie im weiterlaufenden Fachspezifikum. Im neuen Weg setzt § 17 Abs. 1 dafür 5.000 Stunden cluster- und methodenspezifische Theorie, Selbsterfahrung und Supervision aus den ersten beiden Abschnitten oder gleichwertig voraus, dazu die Aufnahme in eine Fachgesellschaft. Das Formblatt stellt das Ministerium ab 1. Oktober 2026 bereit.

Ohne Eintragung darf ab Oktober niemand psychotherapeutisch mit Klient:innen arbeiten, auch nicht in Ausbildung; das Ministerium nennt das einen Verstoß gegen den Berufsvorbehalt. Was an Praxisschild, Website, Honorarnote und Signatur umzustellen ist, steht in der Checkliste zur Umstellung.

Gesicherte Kosteninformationen

  • Master: Das Studium findet an öffentlichen Universitäten statt. Für Studierende aus dem EU- und EWR-Raum fällt innerhalb der vorgesehenen Studiendauer kein Studienbeitrag an, nur der ÖH-Beitrag je Semester; das Aufnahmeverfahren kostete 2026 einen Kostenbeitrag von 80 Euro. Selbsterfahrung, Praktikum und Supervision sind Teil des Curriculums.
  • Fachausbildung: Sie findet bei den Fachgesellschaften statt, und dort entstehen weiterhin Kosten. Die Fachgesellschaften müssen Curriculum, Ausbildungsverlauf und die Kosten öffentlich einsehbar machen (§ 27 Abs. 1 PTh-AAQV 2024); die verbindlichen Beträge stehen also auf der Website der jeweiligen Fachgesellschaft, nicht in Schätzungen. Das Ministerium verweist darauf, dass Kandidat:innen in dieser Phase bereits unter Lehrsupervision arbeiten und Einkünfte erzielen können; eine Vergütungsregel für die 1.000 Stunden gibt es nicht. Honorarempfehlungen kommen von den Berufsvertretungen.
  • Alter Weg: die Kosten des eigenen Vertrags mit der Einrichtung.

Quellen

  • Psychotherapiegesetz 2024 (PThG 2024, BGBl. I Nr. 49/2024), §§ 10 bis 18, 60: RIS
  • PTh-AAQV 2024 (BGBl. II Nr. 292/2024), § 5 Gestaltung der Ausbildung: RIS
  • Psychotherapiegesetz 1990 (BGBl. Nr. 361/1990), §§ 3 und 6, Fassung bis 31. Dezember 2024: RIS
  • Gesundheitsministerium, FAQ zum 3. Ausbildungsabschnitt, Stand 23. Juli 2026 (Fragen 7, 10, 11, 13, 15, 20, 21): sozialministerium.gv.at (PDF)
  • Masterstudium Psychotherapie, zentrale Informationsseite: psychotherapiestudieren.at
  • ÖBVP, Informationsblatt Psychotherapie-Ausbildung NEU, 26. Februar 2026: psychotherapie.at (PDF)

Stand: 10. September 2026. Dieser Artikel ist eine fachliche Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung durch Fachgesellschaft oder Hochschule.

Behandlungsstunden, Supervision und Selbsterfahrung dokumentieren

In beiden Wegen ist am Ende ein Nachweis von Stunden zu führen: Behandlungsstunden, Lehrsupervision, Selbsterfahrung. Wie sich das neben der laufenden Arbeit mitführen und als Stundennachweis exportieren lässt, zeigt die Ausbildungsübersicht in CuraDesk.

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