Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Praxissoftware: Welche Daten geschützt sind und wer sie lesen kann
Transport-, Server- und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Vergleich, der Weg einer Dokumentationsnotiz durch das System, und eine Tabelle, welche Daten CuraDesk verschlüsselt und welche der Server lesen kann.
Von Christian Glatz · Veröffentlicht: Mai 2026

Praktisch jede Praxissoftware schreibt „verschlüsselt" auf ihre Website. Das hilft wenig, weil die Frage nicht ist, ob verschlüsselt wird, sondern wo, und wer den Schlüssel hat. Dieser Artikel erklärt die drei Arten der Verschlüsselung, verfolgt eine Dokumentationsnotiz auf ihrem Weg durch das System und legt für CuraDesk offen, welche Daten geschützt sind und welche der Server lesen kann. Die allgemeinen Erklärungen gelten für jede Software; was sich auf CuraDesk bezieht, ist als solches gekennzeichnet.
Drei Arten von Verschlüsselung
Transportverschlüsselung (TLS) schützt die Strecke zwischen Browser und Server. Sie ist Standard und erkennbar am Schloss in der Adressleiste. Auf dem Server liegen die Daten danach im Klartext vor.
Serververschlüsselung (Verschlüsselung im Ruhezustand) heißt: Die Daten liegen verschlüsselt auf der Festplatte des Servers. Das schützt gegen den Diebstahl der Hardware. Gegen Zugriffe auf den laufenden Server schützt es nicht, weil der Anbieter den Schlüssel besitzt und die Anwendung die Daten bei jedem Zugriff entschlüsselt. Mitarbeiter:innen mit Serverzugang können lesen, eine Sicherheitslücke in der Anwendung legt Klartext frei, und behördliche Anfragen sind bedienbar.
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verlagert die Verschlüsselung in den Browser. Die Daten werden verschlüsselt, bevor sie den Server erreichen, und erst wieder entschlüsselt, wenn sie zurück im Browser sind. Der Server speichert nur Ciphertext und hat keinen Schlüssel. Wer den Server kompromittiert, bekommt Ciphertext und die Daten, die aus betrieblichen Gründen lesbar bleiben müssen (dazu unten).
| Transport (TLS) | Server (im Ruhezustand) | Ende-zu-Ende | |
|---|---|---|---|
| Wo wird verschlüsselt | zwischen Browser und Server | auf der Festplatte des Servers | im Browser |
| Wer hat den Schlüssel | Server | Anbieter | nur Sie |
| Schützt gegen | Mitlesen auf dem Weg | Diebstahl der Hardware | Zugriff auf dem Server, auch durch den Anbieter |
| Schützt nicht gegen | Zugriff auf dem Server | Zugriff auf dem laufenden Server | Manipulation des ausgelieferten Codes, Verlust des Passworts |
Der Weg einer Dokumentationsnotiz
So läuft es in CuraDesk, und bei jeder anderen Software mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ähnlich:
| Schritt | Wo | Was vorliegt |
|---|---|---|
| 1. Sie schreiben die Notiz | Ihr Browser | Klartext, nur auf Ihrem Gerät |
| 2. Der Browser verschlüsselt sie mit dem Praxisschlüssel | Ihr Browser | Ciphertext (AES-256-GCM, für jede Notiz ein neuer Zufallswert als Startvektor) |
| 3. Übertragung | Netz | Ciphertext, zusätzlich in TLS verpackt |
| 4. Speicherung | Server in Deutschland | Ciphertext, ohne Schlüssel |
| 5. Sie öffnen die Akte, auch auf einem anderen Gerät | Ihr Browser | Aus dem Passwort wird mit Argon2id ein Schlüssel abgeleitet, der den Praxisschlüssel entpackt; die Notiz wird lokal entschlüsselt |
Der Praxisschlüssel ist ein zufälliger 256-Bit-Schlüssel, der bei der Registrierung im Browser erzeugt wird. Der Server bekommt ihn nur in verpackter Form, verschlüsselt mit einem aus Ihrem Passwort abgeleiteten Schlüssel. Deshalb kann der Server weder Ihre Notizen noch Ihr Passwort lesen, und Sicherungen des Servers enthalten nur Ciphertext.
Akteninhalte und Betriebsdaten
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat eine systembedingte Grenze: Damit ein Kalender Termine sortieren, eine Buchhaltung Summen bilden und ein Server E-Mails verschicken kann, muss er bestimmte Daten lesen. Jeder Anbieter zieht diese Linie anders. Die Frage „was genau liegt lesbar auf dem Server" ist die wichtigste, die Sie einem Anbieter stellen können. Für CuraDesk lautet die Antwort, Stand September 2026:
| Verschlüsselt im Browser, für den Server unlesbar | Lesbar auf dem Server (Betriebsdaten) |
|---|---|
| Alle Angaben zur Person: Name, Kontaktdaten, Geburtsdatum, Versicherungsnummer, Diagnosen, Anamnese, Medikation, Kontakte | Terminzeitpunkte, Dauer und Preis je Termin, ohne Personenbezug |
| Sitzungsdokumentation und private Notizen | Rechnungsnummer, Datum, Beträge, Umsatzsteuer und die Bezeichnung der Leistung („Psychotherapie, Einzelsitzung") |
| Notizen zu Terminen | Zahlungsdatum, Betrag und die Zahlungsnotiz |
| Empfänger:in und Adressblock der Honorarnote | Ausgaben mit Bezeichnung, Betrag und Beleg |
| Dokumente in der Akte samt Dateiname | Ihr Name, Ihre E-Mail-Adresse, Praxisname und Praxisdaten |
| Zweck und Strecke im Fahrtenbuch | Buchungsanfragen (Name, E-Mail, Nachricht der anfragenden Person), bis sie in die Akte übernommen sind |
| Kassenanträge und deren Angaben | Login-Zeitpunkte und das Zugriffsprotokoll ohne Namen |
Zwei praktische Folgen: Schreiben Sie keine Namen in Zahlungsnotizen oder Ausgabenbezeichnungen, denn diese Felder sind Betriebsdaten. Und Termine sind zwar ohne Namen gespeichert, ergeben aber zusammen ein Bewegungsprofil der Praxis. Das ist der Grund, warum auch für eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Software ein Auftragsverarbeitungsvertrag nötig ist.
Eine zweite Grenze gilt für jede browserbasierte Lösung: Der Verschlüsselungscode kommt bei jedem Aufruf vom Server. Ein kompromittierter Server könnte manipulierten Code ausliefern, der den Schlüssel mitsendet. Dagegen helfen ein gehärteter Server, Integritätsprüfungen und unabhängige Prüfungen des Codes, aber kein Anbieter kann dieses Restrisiko auf null bringen. Wer das verschweigt, beschreibt seine Verschlüsselung unvollständig.
Wiederherstellung
Weil der Anbieter den Schlüssel nicht hat, kann er das Passwort nicht zurücksetzen. Ein vergessenes Passwort ohne Vorsorge bedeutet: Die Daten sind dauerhaft verloren, für alle. Deshalb ist ein Wiederherstellungsweg keine Komfortfunktion, sondern Voraussetzung.
In CuraDesk wird direkt nach der Registrierung ein Wiederherstellungscode eingerichtet, eine zufällige Zeichenfolge von rund 44 Zeichen, mit der der Praxisschlüssel ein zweites Mal verpackt wird. Mit dem Code setzen Sie selbst ein neues Passwort, ohne Datenverlust. Der Code gehört ausgedruckt an einen sicheren Ort oder in den Passwortmanager, und in die Ablage, die im Fall Ihres Ausfalls erreichbar ist; wie sich das regeln lässt, steht im Artikel zur Praxisaufgabe und zum unerwarteten Ausfall. Ohne Passwort und ohne Code sind die Daten auch für CuraDesk nicht mehr lesbar. Das ist kein Mangel, sondern die Eigenschaft, die den Schutz ausmacht.
Dazu kommen funktionale Grenzen: Eine Volltextsuche über verschlüsselte Inhalte auf dem Server ist unmöglich; die Namenssuche läuft über einen Suchschlüssel (HMAC), der den Namen nicht verrät. Und der Support kann nicht „kurz nachsehen", wenn etwas hakt.
Fragen an jeden Anbieter
- Wo liegt der Schlüssel? Beim Anbieter, auf dem Server oder ausschließlich auf meinem Gerät?
- Welche Felder sind verschlüsselt, welche nicht? Eine Tabelle wie oben, nicht der Satz „alle Daten sind verschlüsselt".
- Was passiert bei Passwortverlust? Gibt es einen Wiederherstellungscode, oder kann der Anbieter zurücksetzen, und was heißt das für die Verschlüsselung?
- Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, und welche Subunternehmer sind genannt?
- Wo stehen die Server, und wer betreibt sie?
Klare, konkrete Antworten sind ein gutes Zeichen. Ausweichende Antworten oder Hinweise auf „militärische Verschlüsselung" ohne Angaben sind ein schlechtes.
Quellen
- NIST Special Publication 800-38D, Galois/Counter Mode (AES-GCM): nist.gov
- RFC 9106, Argon2 Memory-Hard Function for Password Hashing: rfc-editor.org
- W3C Web Cryptography API: w3.org
- BSI TR-02102-1, Kryptographische Verfahren, Empfehlungen und Schlüssellängen: bsi.bund.de
- Art. 28, 32 und 34 DSGVO: eur-lex.europa.eu
Stand: 10. September 2026. Die Angaben zu CuraDesk entsprechen dem Datenmodell zu diesem Datum.
Die Verschlüsselung von CuraDesk im Detail
Welche Inhalte CuraDesk verschlüsselt, wo der Server steht, wie Videositzungen abgesichert sind und wie die Wiederherstellung funktioniert, steht auf der Seite Datensicherheit.
